Die SozialGestaltung GmbH optimiert die Bedarfsberechnung
Die Pflegelandschaft hat sich in den letzten Jahren gravierend verändert. Was bedeutet das für Planung, Betrieb und Investitionen? Die SozialGestaltung GmbH hat Daten auf Landkreisebene (n = 400) ausgewertet und Pflegequoten in den Altersgruppen 65–75 sowie ≥ 75 Jahre für 2019 und 2023 analysiert. Vor diesem Hintergrund wurde die Basis der Sozialmarktanalysen auf neue Füße gestellt. Statt Postleitzahl-Gebiete werden nun präzise 100×100-Meter-Gitterzellen – über 3 Millionen Datenpunkte für Deutschland – genutzt. Die Prognosen werden räumlich ~36-mal feiner.
Fundamentaler Strukturwandel trifft alle Regionen
Die Zahlen sind eindeutig: Von 4,13 Millionen Pflegebedürftigen (2019) auf 5,69 Millionen (2023) – ein Anstieg um 38% in nur vier Jahren. Parallel explodierten die Pflegequoten, also der Anteil der Bevölkerung mit Leistungen der Pflegeversicherung:
Altersgruppe 65–75 Jahre: von 5,66% auf 8,37% (+47,95%)
Altersgruppe ab 75 Jahre: von 29,36% auf 40,08% (+36,52%)
Informelle Pflege wird zur dominierenden Versorgungsform
Mit den steigenden Pflegequoten vollzieht sich ein Paradigmenwechsel: In über 90% aller Landkreise wächst der Anteil informeller häuslicher Pflege, während professionelle Strukturen relativ schrumpfen.
Versorgungsstruktur auf Kreismittelwerten nach Altersgruppe (2019 vs. 2023)
Tabelle 1 zeigt die Kreismittelwerte der Versorgungsstruktur 2019 vs. 2023.
Ursachen: Mehr Zugang, weniger Kapazitäten
Drei Faktoren erklären diese Entwicklung:
- Erleichterte Begutachtung: Das Pflegeunterstützungs- und Entlastungsgesetz (PUEG) ermöglichte ab Oktober 2023 strukturierte Telefon- und Videobegutachtungen. Niedrigere Zugangshürden erhöhen die Inanspruchnahme.
- Kapazitätsengpässe: 2023 waren über 10% der Heimbetten mangels Personal nicht belegbar – ein Flaschenhals, der Nachfrage in häusliche Kontexte drängt.
- Demografischer Druck: Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen das Pflegealter und verstärken den Bedarf überproportional.
Revolution der Bedarfsplanung: Von Postleitzahlen zu Präzisionsdaten
Vor diesem Hintergrund hat die SozialGestaltung GmbH ihr Bedarfsberechnungsmodell grundlegend neu entwickelt. Statt Postleitzahl-Gebiete (PLZ-8 mit rund 83.000 Einheiten) werden nun präzise 100×100-Meter-Gitterzellen des Zensus – über 3 Millionen Datenpunkte für Deutschland, genutzt. Das Ergebnis: Die Prognosen werden räumlich ~36-mal feiner (≈ 3 Mio. 100 m-Zellen statt ≈ 83 000 PLZ-8-Gebiete) und unabhängig von administrativen Grenzen.
Die Gitterzellen liefern exakte Altersstrukturen für jedes gewählte Einzugsgebiet und bilden die Berechnungsbasis. Kombiniert mit der BBSR-Bevölkerungsprognose entstehen valide Voraussagen bis 2045 (statt bisher 2040). Die hohe räumliche Auflösung limitiert die Analyse größerer Einzugsgebiete nicht, sondern erhöht die Genauigkeit der Ergebnisse auf allen Maßstabsebenen Ein systematischer Abgleich mit der Ist-Situation durch detaillierte Angebots- und Wettbewerbsrecherche vervollständigt die Analyse.
Neu gewonnene Vorteile der Sozialmarktanalyse
Die Raster-Methodik der SozialGestaltung GmbH ermöglicht hypothesenfreie, kleinräumige Bedürfnisprofile und verbessert die Standortpassung gegenüber klassischer PLZ-Aggregierung deutlich.
Diese Methodik ist am Markt einzigartig und schafft messbare Vorteile:
- Risikoreduktion: Präzise Standortbewertung
- Transparente Potenziale: Klare Szenarien mit Chancen-Risiko-Profilen
- Förderkompatibilität: Evidenzbasierte Unterlagen für Genehmigungen und Finanzierungen
- Kommunale Planungshilfe: Wertvolles Tool für Pflegebedarfsplanung in Städten und Landkreisen
Was das für die Praxis bedeutet
Für Kommunen:
Der Shift zur informellen Pflege erfordert von den Kommunen den gezielten Ausbau von Beratungsangeboten, Entlastungsdiensten und quartiersnahen Strukturen wie Tagespflege. Das zentrale Ziel für Kommunen besteht darin, als strategischer Koordinator zu fungieren und dabei einen umfassenden Überblick über die bestehende Pflegeinfrastruktur zu gewinnen. Eine datenbasierte Planungsweise ist unerlässlich – kleinräumige Analysen müssen anstelle von pauschalen Durchschnittswerten treten. Fördermittel und verfügbare Flächen gilt es gezielt zu steuern und bedarfsgerecht einzusetzen. Das übergeordnete Ziel ist die Entwicklung eines integrierten, lokal angepassten Pflegesystems, das pflegende Angehörige wirkungsvoll unterstützt und gleichzeitig zukünftige Bedarfsentwicklungen antizipiert.
Für ambulante Dienste:
Bestehende Engpässe sollten als Chancen begriffen und strategisch genutzt werden. Der Rückgang der ambulanten Versorgungsanteile basiert nicht auf mangelnder Nachfrage, sondern ist primär kapazitätsbedingt. Die hohe Quote informeller Pflege verdeutlicht das vorhandene Potenzial – jedoch müssen die Zugangswege grundlegend neu konzipiert werden.
Zentrale Ansatzpunkte:
- Smarte Touren- und Personalplanung zur nachhaltigen Effizienzsteigerung
- Implementierung digitaler Assistenzsysteme und innovativer Delegationsmodelle
- Aufbau kooperativer Partnerschaften mit pflegenden Angehörigen anstelle von Konkurrenzdenken
Das übergeordnete Ziel besteht darin, vorhandene Ressourcen optimal zu nutzen, neue Klientengruppen systematisch zu erschließen und die ambulante Pflege nachhaltig zukunftsfest zu gestalten.
Für stationäre Träger:
Der Rückgang stationärer Pflegeanteile spiegelt keineswegs eine sinkende Nachfrage wider, sondern resultiert aus dem akuten Fachkräftemangel und bestehenden Zugangsbarrieren.
Zentrale Hebel für die Zukunft:
- Personalbindung und systematische Qualifizierung der Mitarbeitenden stärken
- Arbeitsprozesse durch Digitalisierung und strukturelle Optimierungen stabilisieren und entlasten
Das übergeordnete Ziel besteht darin, die vorhandenen Kapazitäten zu sichern, das Qualitätsniveau aufrechtzuerhalten und sich durch gezielte Profilierung erfolgreich im Wettbewerb zu positionieren.
Für Investoren:
Der Pflegemarkt verzeichnet weiterhin Wachstum – allerdings unter veränderten Vorzeichen. Während klassische Pflegeheime zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, zeigt sich eine starke Nachfrage nach flexiblen Wohn-Pflege-Modellen.
Strategische Ansätze:
- Bestandssanierung und -modernisierung als Alternative zum Neubau
- Gezielte Investitionen in betreutes Wohnen, innovative Quartierskonzepte und modulare Pflegeformen
- Fundierte Standortwahl auf Basis hochauflösender Bedarfsanalysen
- Ziel: Sicher investieren mit präzisem Risikoprofil – und Vorsprung durch Evidenz.
Fazit: Präzise Daten für bessere Planung
Die Pflegelandschaft wandelt sich rasant. Wer heute investiert oder plant, braucht präzise Daten. Die rasterbasierte Bedarfsberechnung der SozialGestaltung GmbH macht kleinräumige Chancen/Risiko Profile sichtbar und schafft Planungssicherheit bis 2045.
Das Ergebnis: Investoren, Betreiber, Fonds, Banken und Kommunen erhalten eine belastbare Handlungsgrundlage – mit klaren Szenarien, Benchmarks und transparenten Risikoprofilen. Kurz: Evidenz statt Bauchgefühl, mit marktpraktischer Übersetzung
Sie haben Fragen? Dann kontaktieren Sie uns gern:
Maja Haesner
Beraterin Sozialwirtschaft
E-Mail: m.haesner@sozialgestaltung.de
Moritz von Essen
Berater Sozialwirtschaft
E-Mail: m.vonessen@sozialgestaltung.de