Kommunale Pflegestrukturplanung:
Neue Impulse durch Gesetz und Gutachten
Die kommunale Pflegeplanung steht vor großen Herausforderungen: Steigende Bedarfe, Personalmangel und unzureichende Daten erschweren die Planung vor Ort. Mit dem Pflegekompetenzgesetz will die Bundesregierung Abhilfe schaffen. Zudem gibt ein von der Pflegebevollmächtigten Katrin Staffler vorgestelltes Gutachten konkrete Impulse, wie Kommunen besser agieren können.
Die Bundesregierung will die kommunale Pflegestrukturplanung bundesweit verbessern. Der aktuelle Entwurf des neuen Pflegekompetenzgesetzes sieht vor, bestehende Landesregelungen zur Pflegeplanung erstmals bundeseinheitlich im Sozialgesetzbuch (SGB XI) zu verankern. Ziel ist eine stärkere Verzahnung mit Bereichen wie Prävention, Rehabilitation und medizinischer Versorgung. Zusätzlich sollen angrenzende kommunale Handlungsfelder, etwa Sozialhilfe und Sozialraumplanung, besser eingebunden und abgestimmt werden – auch über kommunale Grenzen hinweg.
Die Bundeseinheitliche Pflegeplanung bietet neue Chancen für Kommunen und Betreiber. Pflegekassen und Kommunen sollen künftig ihre Daten enger abstimmen, um präzisere Planungen zu ermöglichen. Gleichzeitig betont die Bundesregierung, dass Kommunen trotz verbesserter Steuerungsmöglichkeiten keine Marktabschottung durchsetzen dürfen – die Pflegeplanung bleibt marktwirtschaftlich orientiert.
Gutachten benennt fünf Handlungsfelder für bessere Pflegeplanung
Ein neues Gutachten analysiert die bisherige Praxis der Pflegeplanung in den Bundesländern und macht konkrete Vorschläge für Verbesserungen. Katrin Staffler (CSU), Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, hat es im Juli vorgestellt. Die wichtigsten Empfehlungen lauten:
- Mehr Verbindlichkeit und klare Kompetenzen für Kommunen schaffen
- Verbesserte personelle und finanzielle Ausstattung sicherstellen
- Klare Vorgaben der Länder zur Pflegeplanung festlegen
- Kleinräumigen Daten der Kranken- und Pflegekassen systematisch nutzen
- Regionale Vernetzung aller Pflege-Akteure intensivieren
Praktische Erfolgsfaktoren in der kommunalen Pflegeplanung
Mit präzisen Bedarfsprognosen, besserer Vernetzung und klaren Handlungsempfehlungen können Betreiber von Pflegeheimen und Kommunen gemeinsam die Pflegeversorgung zukunftssicher gestalten. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Reformen ist es entscheidend, dass Pflegeheimbetreiber sich aktiv als Partner der Kommunen verstehen und die Zusammenarbeit suchen. Gleichzeitig sind auch die Kommunen gefordert, die Vielfalt der Trägerlandschaft zu erhalten und zu stärken. Worauf Betreiber jetzt achten sollten, zeigen die folgenden praktischen Erfolgsfaktoren:
Marktorientierte Bedarfsprognosen erstellen
Die Nachfrage nach Pflegeplätzen differenziert analysieren, Trends frühzeitig erkennen und eigene Angebote flexibel darauf ausrichten
Bewohner und Angehörige einbinden
Wünsche und Rückmeldungen von Bewohnern und Angehörigen systematisch erfassen, um das Angebot attraktiv und bedarfsgerecht zu gestalten.
Pflegende Angehörige unterstützen
Eigene Angebote um Beratungen, Kurzzeit- und Tagespflege ergänzen, Kooperationen mit ambulanten Diensten und niedrigschwellige Hilfen fördern.
Fachkräfte gewinnen und binden
Personalbedarf realistisch einschätzen, innovative Maßnahmen zur Personalbindung umsetzen und in Ausbildung investieren – z. B. über eigene Pflegeschulen oder Ausbildungspartnerschaften.
Flexibel auf gesetzliche Vorgaben reagieren
Betriebsstrukturen und Angebote regelmäßig an neue gesetzliche Anforderungen (z. B. Einzelzimmer, Nachhaltigkeit) anpassen.
Gesundheitsversorgung im Blick behalten
Veränderungen durch Krankenhausreform und medizinische Strukturentwicklungen in die Standort- und Angebotsplanung frühzeitig integrieren.
Praktikable Lösungen vor Ort umsetzen
Konkrete Handlungsoptionen entwickeln – von neuen Wohn- und Versorgungsformen über Kooperationen bis zu Maßnahmen gegen akute Personalengpässe.
Mit datenbasierten Analysen liefert die SozialGestaltung die Grundlage für eine präzise, kleinräumige Pflegeplanung – damit Kommunen und Betreiber frühzeitig und gezielt handeln können.
Nachgefragt bei Geschäftsführerin Susanne Leciejewski:
Frau Leciejewski, warum ist es für eine zukunftsfähige Pflegeversorgung wichtig, dass Pflegeheimbetreiber und Kommunen als Partner zusammenarbeiten?
Susanne Leciejewski: Die Herausforderungen in der Pflege – von steigenden Bedarfen bis zum Fachkräftemangel – lassen sich nur im Schulterschluss zwischen Kommunen und Betreibern bewältigen. Kommunen kennen die lokalen Rahmenbedingungen, während Betreiber über wertvolle Praxiserfahrungen und innovative Ansätze verfügen. Wenn beide ihre Perspektiven und Kompetenzen einbringen, entstehen tragfähige Lösungen, die tatsächlich vor Ort wirken. Nur als Partner können sie passgenaue Angebote schaffen und gemeinsam eine nachhaltige, qualitativ hochwertige Versorgung sichern.
Welche Bedeutung hat die Trägervielfalt aus Ihrer Sicht – und wie können Kommunen dazu beitragen, diese Vielfalt zu erhalten?
Susanne Leciejewski: Eine vielfältige Trägerlandschaft ist ein großer Gewinn für die Pflege: Sie fördert Qualität, Innovation und gibt den Menschen Wahlmöglichkeiten. Unterschiedliche Träger – egal ob gemeinnützig, privat oder öffentlich – bringen verschiedene Stärken ein und sorgen für Wettbewerb, der allen zugutekommt. Kommunen sollten deshalb Rahmenbedingungen schaffen, die diese Vielfalt unterstützen – etwa durch transparente Vergabeverfahren, faire Kooperationen und die Einbindung aller Akteure in Planungsprozesse. So bleibt die Versorgung flexibel, leistungsfähig und nah an den Bedürfnissen der Menschen.
Sie haben Fragen? Dann kontaktieren Sie uns gern:
Susanne Leciejewski
Geschäftsführerin SozialGestaltung
E-Mail: s.leciejewski@sozialgestaltung.de
Moritz von Essen
Berater Sozialwirtschaft
E-Mail: m.vonessen@sozialgestaltung.de