Transparenz schaffen und Zukunft gestalten: Wie KWA Kuratorium Wohnen im Alter die CO₂-Bilanz erstellte

Gesellschaftliche Erwartungen, steigende Energiekosten, Anforderungen von Banken und Fördermittelgebern sowie neue regulatorische Entwicklungen: Unternehmen und müssen Organisationen ihre ökologischen Auswirkungen zunehmend transparent und nachvollziehbar darstellen. Auch für Träger der Sozialwirtschaft gewinnt dabei die CO₂-Bilanzierung an Bedeutung. Wie das gelingt, zeigt das Beispiel KWA Kuratorium Wohnen im Alter.

Wer Emissionen wirksam reduzieren will, muss zunächst verstehen, wo sie entstehen – über Standorte, Gebäude, Verbräuche und Prozesse hinweg.

Bei einer CO₂-Bilanzierung werden die Treibhausgasemissionen einer Organisation systematisch erfasst und bewertet. Grundlage ist häufig das international etablierte Greenhouse Gas (GHG) Protocol. Die Emissionen werden dabei in drei Bereiche unterteilt:

Scope 1: direkte Emissionen, z. B. aus Heizungsanlagen oder dem eigenen Fuhrpark

Scope 2: indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie wie Strom oder Fernwärme

Scope 3: weitere indirekte Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, etwa durch Verpflegung, eingekaufte Produkte, Dienstreisen oder Abfallentsorgung

Eine CO₂-Bilanz macht sichtbar, wo Emissionen entstehen und welche Maßnahmen tatsächlich Wirkung zeigen. Gleichzeitig schafft sie eine fundierte Datengrundlage für Investitionsentscheidungen, beispielsweise bei energetischen Sanierungen, der Beschaffung oder der Mobilitätsplanung.

 

Thomas Schurr, KWA:Wir haben schon seit 2018 verschiedene Nachhaltigkeitsmaßnahmen umgesetzt. Erst durch die CO₂-Bilanz konnten wir jedoch erkennen, welche Maßnahmen den größten Beitrag zur Emissionsreduktion leisten und wo noch Potenziale bestehen.“

 

KWA: Nachhaltigkeitsmaßnahmen sichtbar machen

In der Sozialwirtschaft ergeben sich dabei besondere Herausforderungen. Viele Träger verfügen über eine dezentrale Struktur mit unterschiedlichen Einrichtungen, Gebäuden und Verantwortlichkeiten. Daten liegen häufig in verschiedenen Systemen vor oder werden lokal erfasst. Hinzu kommen spezifische Emissionsquellen wie Verpflegung, Hygieneartikel, Mobilität oder die Entsorgung. Eine belastbare CO₂-Bilanz erfordert deshalb klare Prozesse, definierte Zuständigkeiten und eine praxistaugliche Datenerhebung.

Wie dies gelingen kann, zeigt ein aktuelles Projekt von KWA Wohnen im Alter. Der Träger von 16 Premium-Seniorenresidenzen, einer Rehaklinik und drei Bildungszentren verfolgte bereits seit vielen Jahren nachhaltige Ansätze – von energetischen Sanierungen über den Einsatz von Ökostrom bis hin zu Photovoltaikanlagen und nachhaltigen Mobilitätsangeboten. Nun sollten diese Aktivitäten erstmals in einer unternehmensweiten CO₂-Bilanz zusammengeführt und damit messbar sowie steuerbar gemacht werden.

 

Vom Pilotstandort zur Umsetzung an allen Standorten

Im Rahmen des Projekts wurde eine CO₂-Bilanzierung für alle drei Scopes aufgebaut. Um die Einführung praxisnah zu gestalten, erfolgte zunächst eine Pilotierung an zwei Standorten. Parallel wurden ein zentrales Projektteam sowie lokale Nachhaltigkeitsteams etabliert. Durch Schulungen, klare Rollenverteilungen und standardisierte Datenerhebungen konnten die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Roll-out geschaffen werden. Eine besondere Herausforderung bestand darin, Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen und vergleichbar zu machen. So lagen beispielsweise Verbrauchsdaten, Entsorgungsinformationen oder Angaben zu eingekauften Produkten in unterschiedlichen Formaten und Systemen vor. Mithilfe eines webbasierten CO₂-Management-Tools (CO2-Manager der SozialGestaltung) wurden die relevanten Daten zentral erfasst, standardisiert und ausgewertet. Die Erfahrungen aus den Pilotstandorten dienten anschließend als Grundlage für die Ausweitung auf alle Einrichtungen.

 

Thomas Schurr, KWA:Der Pilotansatz hat uns geholfen, die Datenerhebung im Alltag zu erproben und Akzeptanz in den Einrichtungen aufzubauen. Dadurch konnte der spätere Roll-out deutlich effizienter umgesetzt werden.“

 

CO2-Bilanz als Managementinstrument

Die Ergebnisse zeigen, welchen Mehrwert eine strukturierte CO₂-Bilanz schafft. Erstmals lag eine vollständige Übersicht über die konzernweiten Emissionen vor. Gleichzeitig konnten Unterschiede zwischen einzelnen Standorten sichtbar gemacht und besonders effiziente Einrichtungen identifiziert werden. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen heute in Investitionsentscheidungen, die Auswahl von Lieferanten und die Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie ein. Darüber hinaus unterstützt die CO₂-Bilanzierung dabei, Kostenpotenziale aufzudecken. Häufig zeigen sich Einsparmöglichkeiten beispielsweise durch optimierte Regelungs- und Messtechnik, effizientere Prozesse oder gezielte Investitionen in Gebäude und Infrastruktur. Gleichzeitig entsteht eine belastbare Datengrundlage für zukünftige Berichtsanforderungen und Nachhaltigkeitsnachweise.

 

Thomas Schurr, KWA:Nachhaltigkeit ist für uns kein Einzelprojekt, sondern ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess. Und so ist auch die CO₂-Bilanz kein Selbstzweck. Sie ist für uns ein wichtiges Steuerungsinstrument, um in Zukunft noch nachhaltiger handeln zu können und fundierte Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.

 

Die CO₂-Bilanzierung ist somit keine reine Dokumentationsaufgabe, sondern ein strategisches Managementinstrument. Gerade für Organisationen der Sozialwirtschaft bietet sie die Möglichkeit, ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Steuerung zu verbinden. Wer Emissionen kennt, kann Maßnahmen gezielt priorisieren, Ressourcen effizient einsetzen und Nachhaltigkeit langfristig im Unternehmen verankern.

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Luzy Zobel

E-Mail: l.zobel@sozialgestaltung.de